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Reisen

Ahmedabad Teil 1.

Ich finde, es wird Zeit für den ersten Artikel eines Themas, das sich außerhalb meiner Küche abspielt. Auch wenn ich tatsächlich wieder indisch kochen werde heute Nachmittag, widme ich mich in diesem Artikel gerne mal dem Thema Reisen.

Wo ist Ahmedabad?

Warum fange ich mit Ahmedabad an? Und wo ist das überhaupt? Eine gute Frage, die ich selbst und andere mir auch gestellt haben, als ich meinen Auslandsaufenthalt dort vorbereitet habe. Eigentlich wollte ich nach Mumbai, da ich dort einen Teil meiner Kindheit verbracht hatte (siehe Über mich.) und eine besondere Erinnerung an diese Stadt hatte. Ich hatte mich auch um ein Auslandssemester dort bemüht. Allerdings hat das nicht geklappt und mich einige Nerven gekostet, sodass ich einen Plan B brauchte. Meine Uni hatte eine Kooperation mit einem College in Gandhinagar und ich hatte die Möglichkeit, dort meine Masterstudie durchzuführen. Wo ist Gandhinagar? „In der Nähe von Ahmedabad“ sagte mein Prüfer. Und wo ist Ahmedabad? Dort:

Ahmedabad in Stichpunkten

Auf den ersten Blick gibt es gar nicht so viel über Ahmedabad zu sagen. Fast niemand kennt es und die wenigsten waren dort. Tatsächlich habe ich dort im Vergleich zu anderen Gegenden in Indien auch nur sehr wenige (westliche) Touristen gesehen. Auf den zweiten Blick gibt es viel über Ahmedabad zu lernen. Bevor ich euch ein paar Ausflugsziele zeige, hier ein paar Fakten:

  • Ahmedabadis sind im Land bekannt als die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen
  • Ahmedabad wird als eine der sichersten Städte in Indien wahrgenommen. Eine indische Freundin vom College erzählte mir mal, dass sie absolut begeistert davon ist, dass sie in Ahmedabad als Frau Abends wenn es schon dunkel ist, alleine auf die Straße gehen kann
  • Ahmedabad hat eine sehr beeindruckende Altstadt, die 2017 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Bei einem Rundgang durch die Altstadt kommt man sich vor, wie in einer Indiana Jones-Filmkulisse
  • Ahmedabad ist die größte Stadt Gujarats (> 5 Millionen Einwohner), aber nicht ihre Hauptstadt. Das ist Gandhinagar mit etwa 200.000 Einwohner
  • Ahmedabad gilt als Mekka für indische „Foodies“
  • Mahatma Gandhi lebte in Ahmedabad und startete von hier aus seinen berühmten Salzmarsch
  • In Ahmedabad befinden sich viele ausländische IT Unternehmen. Es gilt neben Bangalore und Hyderabad als Silicon Valley Indiens

Aktivitäten in Ahmedabad

King’s Palace und Sarkhej Roza

King Palace in Ahmedabad

Zugegeben – es ist nicht das, was ich erwartet habe, als ich den Ausflug recherchiert habe. Zunächst fanden wir die Stätte nicht und als wir ankamen, fanden wir einen abgetrockneten und zugefüllten See vor. Aber der King’s Palace ist trotzdem ein schöner Ort und wir entdeckten ganz zufällig noch die Moschee nebenan, die für Besucher offen ist.

Der Gebäudekomplex im äußeren Südwesten der Stadt stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde als Grabstätte und Denkmal zu Ehren des Berater des damaligen Herrschers Muhammad Shah II errichtet (Wikipedia). Heute kennt fast niemand diesen Ort, denn er wird nicht touristisch genutzt. Er ist daher nicht sehr gepflegt und vor allem nicht sehr gut auffindbar. Wenn man aber erstmal dort ist, ist es ein schöner Ort zum Verweilen und zum Spazierengehen in einer historischen Stätte. Die Gebäude sind noch relativ gut erhalten und vermitteln eine interessante Atmosphäre. Ganz nebenbei kann man hier Schatten und eine wohltuende Brise genießen. Neben den Gebäuden ist die Grabstätte Sarkhej Roza und eine Moschee, beides ebenfalls definitiv einen Besuch wert (wenn man sich an den neugierigen Affen vorbei traut)

Sabarmati Ashram und Sabarmati Riverfront

Der Sabarmati Ashram ist DAS Must Do in Ahmedabad, sowohl für ausländische, als auch für indische Touristen. Natürlich vor allem, weil hier der indische Nationalheld Mohandas Karamchand Gandhi gelebt und gewirkt hat. Sein Haus und die darumliegenden Gebäude – zu seinen Lebzeiten Wohn- und Aufenthaltsräume seiner Bekannten und Angestellten – sind jetzt ein Museum. Wer die Muße hat, sich die Informationstafeln und Ausstellungsstücke anzuschauen, während schlurfende indische Besucher und Schulklassen um einen herumwuseln, kann dort viel über sein Wirken und das Gelände lernen. Aber der Ort ist auch toll für diejenigen, die Zerstreuung abseits der lärmenden Großstadt suchen. Denn das Gelände bietet neben dem Museum auch eine schöne begrünte Anlage zum Verweilen und Entspannen.

Durch die Lage direkt am Flussufer bietet der Ashram auch einen tollen Blick auf den Sabarmati und die Sabarmati Riverfront, die seit 2012 als Uferpromenade zu Spaziergängen einlädt. Bis 2005 war das Ufer der Flusses kein schöner Ort, denn der Fluss war ausgetrocknet und verdreckt. Das Ufer hat eine große Aufwertung durch den Bau der Riverfront erhalten, der auch die Anlage von Parks und Märkten enthielt. Mittlerweile führt der Fluss wieder Wasser und entlang des Gewässers kann man schlendern und die Seele baumeln lassen.

Dada Harir Ni Vav (Dada Harir Stufenbrunnen) und Dada Harir Moschee

Friederike im Dada Harir Stufenbrunnen

Stufenbrunnen sind toll! Architektonisch repräsentieren sie für mich persönlich das, was ich an Indien so liebe: Detaillierte, ausgefeilte Steingravuren und eine mystische Atmosphäre. Unten am Brunnen ist es kühl und dunkel und die Geräusche hallen.

Laut einem indischen Freund gibt es deshalb so viele Stufenbrunnen in Gujarat, weil der Bundesstaat im Vergleich zu anderen Regionen des Landes in den Sommermonaten extrem heiß und trocken wird. Um an das Grundwasser und eine Abkühlung zu kommen, hat man diese Stufenbrunnen gebaut. Ich habe ihn gefragt, warum man für einen „läppischen“ Brunnen so viel Zeit und Mühe in die Dekoration und Ausgestaltung aufgewendet hat. Seiner Meinung nach liegt das daran, dass die Stufenbrunnen für die Bevölkerung im Sommer auch ein Aufenthalts- und Zusammenkunftsort war. Da man es an der Oberfläche nicht ausgehalten hat, haben sich die Leute in den Stufenbrunnen sehr viel aufgehalten und miteinander unternommen. Grund genug, um sich die Umgebung hübsch zu gestalten, oder?

Direkt neben dem Stufenbrunnen ist eine alte Moschee mit einem Grabmal. Man kann beide Gebäude komplett begehen, auch auf den Dächern. Auf dem Gelände verteilt liegen Fragmente von den Steingravuren und an manchen Stellen weisen Gebäudeelemente Schäden vor. Diese sind durch ein Erdbeben einige Jahre vorher entstanden. Ich war zweimal dort und wurde beide Male von dem Manager der Moschee und seinem Sohn herzlich empfangen und herumgeführt. Die beiden sind sehr offen und können einem vieles über die historische Stätte erzählen. Spenden werden höflich erfragt 😉

Teil 2 über Ahmedabad folgt

Das war ein Auszug der Sehenswürdigkeiten, die Ahmedabad zu bieten an. Es gibt aber noch mehr zu entdecken. Dazu wird ein zweiter Teil folgen, seid gespannt…

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